Große Alpenrundreise 2008

 


Bericht von Polje

Am 22.06 2008 geht es endlich los.
Um 18:45 bin ich bei Uwe, um ihn abzuholen.
Gemeinsam fahren wir nach HH-Altona zum Autoreisezug.
Ich bin mit meiner Simson Schwalbe und Uwe mit seiner Puch Cobra unterwegs.
Meine Schwalbe ist ein wenig überarbeitet und als Kleinkraftrad zugelassen, so daß ich auch Kraftfahrtstrassen und BAB fahren darf.
Der Zug hat eine Stunde Verspätung. Bei der Verladung flucht der Bahnarbeiter über die Mopeds,weil die keinen Seitenständer haben, also etwas aufwendiger verzurrt werden müssen. Egal, das ist sein Problem.
Viel Schlaf krieg ich in dem Nachtzug nicht

Am Montag den 23.06.08 um 9:15 Uhr sind wir in München Ost. Nach der Entladung geht es dann um 9:45 endlich richtig los.
Dass Wetter spielt mit, und wir starten Richtung Wasserburg. Die weitere Strecke: Obing, Traunstein, Bad Reichenhall, Lofer (Grenze zu Österreich) um 14:15 treffen wir an unserem Tagesziel in Zell am See ein. Im Tourist Info Center besorgt Eva uns zwei Zimmer . Nachdem wir die Zimmer bezogen und geduscht haben, wandeln wir durch den Ort. Bei der Gelegenheit kaufe ich noch eine neue Zündkerze. Ich fahre sonst immer NGK B8 HS, hatte aber den Eindruck, daß der Motor etwas zu heiß wird, habe also eine 9er gekauft.
Erst mal ein schönes Eis und einen Cappucino dann eine Pizza bei Nicole. Es fängt an zu regnen, aber wir müssen ja nirgends mehr hin.
24.06.2008 Dienstag
Start 9:25 Uhr in Zell am See
Strecke: Bruck, Ferleiten, Groß Glockner Hochalpenstrasse mit Edelweißspitze, Heiligenblut, Lienz, Toblach, Cortina d´Ampezzo, Pasdo die Giau, Selva di Cardore.

Mann, Mann, die Großglockner Hochalpenstrasse ist nicht ohne. Da muß sich die arme Schwalbe ganz schön quälen zur Edelweißspitze. Manchmal muß es tatsächlich der erste Gang sein. Aber der tolle Ausblick belohnt einen für den Aufstieg.
Ü berhaupt, ist es immer wieder toll, in den Alpen auf 2 Rädern unterwegs zu sein.
Ich mache das jetzt schon über 30 Jahre, hab´s aber noch lange nicht satt.
Inzwischen sind wir natürlich in Italien, die 9er Kerze ist auch montiert. Läuft damit tatsächlich wesentlich besser. In Heiligenblut gibt´s erst Mal einen Cappucino.
In Selva di Cardore besorgt uns das Mädchen vom Tourist Info Büro zwei schöne Zimmer im "La Rondine" (die Schwalbe) Wie passend. Die Wirtsleute hatten früher eine Eisdiele in Süddeutschland. Der Wirt fährt eine 500er Guzzi Falcone in Militärversion. Baujahr 1964, aber ganz wenig gelaufen, weil beim Militär als Reserve gehütet. Er erzählt uns, sein Cousin hat eine kleine Sammlung alter Motorräder, die wir am nächsten Tag besichtigen sollen. Er selbst hat einen, bei uns als Fiat Neckar verkauften Wagen und ein 50er Moped mit Doppelauspuff in der Garage. Selbstverständlich dürfen unsere Mopeds in der Garage übernachten. Der Tag klingt aus mit einem tierischen Wolkenbruch inklusive Hagelschauer und einer Pizza im örtlichen Ristorante.

25.06.2008 Mittwoch

Der Tag beginnt nach dem Frühstück mit der Besichtigung der Sammlung des Cousins unseres Wirtes.
Der Cousin ist nicht da. Egal, der Wirt hat einen Schlüssel. Vor der Garage steht ein Fiat 600 mit Selbstmördertüren.
In der Garage einige sehr gut restaurierte Motorräder. Eine 250er Guzzi Falcone aus den 40er Jahren, Lambretta, Gilera und eine 175er Rennducati. Mit Umarmungen findet die Verabschiedung statt, aber nicht, bevor nicht die Falcone noch ein paar Töne von sich gibt.
Wir starten um 10:30 Uhr
Strecke: Selva di Cardore, Argondo, Paso di Cereda (1369) Fiera di Primiero, Paso di Goblerea (988), Canal san Bovo, Paso di Bocon (1616), Strigno, Lago di Caldomazzo, Trento, Riva del Garda, Torbole.
Am Vormittag habe ich meine Zusatztank mit Zweitaktöl auf einer Tankstelle stehen lassen. Das kommt davon, daß die Leute in Italien unheimlich auf die Simson abfahren und ich ständig irgendwelche Fragen beantworten muß. Zurückfahren lohnt nicht, also zähneknirschend für 17,50 € einen Liter Zweitaktöl gekauft.
Es ist wirklich erstaunlich, was die kleinen Zweitakter in den hohen Bergen leisten. Auf einer der Paßabfahrten in einer Kehren erwischt es mich dann. Der Gang springt raus, die Karre beschleunigt und ich krieg die Kehre nicht mehr ganz zu fassen. So schnell kann ich gar nicht bremsen. Das Beinschild und die rechte Packtasche streifen die Leitplanke. Ist aber nur eine kleine Schramme. Ich muß noch nicht einmal anhalten. Uwe merkt es gar nicht. Irgendwie ist da nicht mein Tag.
Es war mal wieder sehr heiß. 32 Grad. Ich hatte mir schon die Arme verbrannt.Also fürderhin lange Ärmel.
Um 16:30 Uhr kamen wir in Torbole am Gardasee an.
Torbole gefällt mit besser als Riva. Ist nicht ganz so voll.
Lidia vom Tourist Büro beschafft zwei Zimmer direkt an der Promenade, mit tollem Blick auf den See, für 32 € mit Frühstück und die Mopeds dürfen auf der Terrasse stehen. Wir laufen bei bestem Wetter im Ort herum, essen Eis und trinken Cappucino und essen später natürlich Pizza.

Die Schwalbe macht bei bestimmten Drehzahlen mahlende Geräusche und stuckert. Ich habe Angst, daß das wieder eines der Kurbelwellenlager sein könnte.Vor der Tour hatte ich den Motor 3 mal zerlegen müssen. Beim ersten Mal habe ich ihn komplett neu gelagert, und ein 5 Gang Getriebe implantiert. Das rechte KW Lager (SNH China) hat im Gehäuse mitgedreht. Scheiß China Lager.
Also wieder auseinander das Ding. SKF C3 Lager besorgt und wieder zusammengebaut. Das Lager mit Lagerkleber eingesetzt.
Bei einer bestimmten Drehzahl hat der Motor Pfeifgeräusche von sich gegeben wie eine Lokomotive. Ich vermute, leichter Fluchtungsfehler. Also zum 3 Mal den Motor raus und zerlegt. Jetzt mit C4 Lagern das ganze Spielchen noch einmal und siehe da, er läuft.
Jetzt aber diese Geräusche. Egal, weiterfahren bis irgend etwas kaputt geht. Ich zerlege den Motor nicht auf der Strasse.
Zur Not rufe ich zu Hause an und sage meiner Frau, wohin sie das Paket schicken soll, das auf der Werkbank steht. Darin ist ein kompletter Ersatzmotor.

26.06.2008 Donnerstag
Um 9:30 Uhr müssen wir den Garda See leider wieder verlassen. Die Schwalbe braucht ein paar Kilometer bis sie relativ geräuschlos läuft. Die Leistung ist ok, ich hab sie extra etwas kürzer übersetzt, für die Berge. Strecke: Lago die Ledro, Lago di Idro, Lago di Iseo, Lago di Como, Lago di Varese, Cittiglio.
Irgendwie wird das immer heißer, heute 36 Grad. Die Beschilderung ist furchtbar, Como ist ein Moloch.
In Varese haben wir kein Zimmer gefunden. Irgendwelche Heinis haben Spaß daran gefunden, uns immer hin und her zu schicken. Das Tourist Büro wollte gerade schließen, hat dann aber doch noch eine Adresse rausgerückt. Hat aber nicht geklappt. Alles voll. Also weiter gefahren. In Cittiglio ist Uwe an einer Albergo vorbeigefahren. Ich habe ihn gestoppt. Er dachte das ist eine Altenheim oder sowas. Die Leute waren wieder sehr nett, wie überall auf dieser Tour. Der Wirt hat sofort gefragt, ob wir die Maschinen in die Garage stellen wollen. Na klar wollten wir. Wir haben die Top Case immer drauf gelassen. da waren Ersatzteile, Werkzeug und Regenklamotten drin. Die Packtaschen blieben auch am Fahrzeug. Die Klamotten waren in großen Beuteln bzw Plastiktüten die einfach rausgenommen wurden. So etwas wie "Innentaschen für Arme". Klappt aber sehr gut. Auf mein Top Case hatte ich mir vor der Tour noch eine Gepäckreling geschraubt. Da ist die meiste Zeit der Tour meine Jacke mitgefahren.
Zum Abendbrot gabs diesmal Lasagne.
27.06.2008 Freitag
Start: 9:00 Uhr Cittiglio
So, heute der letzte der oberitalienischen Seen, der Lago Maggiore und dann ab Richtung Süden durch die nervige Po Ebene.
Strecke: Cittiglio, Laveno, Lago Maggiore, Stresa, Novara, Vercelli, Asti, Alba, Cuneo, Limone Piemonte, kurz vorm Cole di Tenda.
Heute 39 Grad. Die Hitze nervt. Aber wenigstens kein Regen. Diese beschissene Siesta in Italien. Alle Tanken dicht. In meinen Tank passen nur 5,8 Liter rein, da muß ich nach ca 180-200km nach einer Tanke gucken. Der zweite Zusatztank vorne an meinem Beinschild enthält deswegen immer 2 Liter fertiges Gemisch. Normalerweise soll die Schwalbe mit 1:50 gefahren werden. ich habe meistens 1:66 gefahren. Dann dreht sie etwas besser und verbrennt sauberer. Der Motor verträgt das gut, wenn man gutes Synthetiköl nimmt
Die Nerven oder die Anstrengung machen sich bemerkbar. Heute Morgen beim Frühstück hat Uwe ein leeres Nutella Töpfchen in den offenen Kaffeetopf geworfen in der Annahme, es sei der Tischmülleimer. Er fand das nicht so witzig, aber ich.
Ankunft im Hotel Margyareis um 16:00 Uhr. Mopeds haben wieder seperaten Stellplatz. Auf der Suche nach einem Ristorante fing es an zu nieseln. Also erst mal ein Eis und einen Cappucino. Dann gings weiter mit der letzlich erfolgreiche Suche nach einer Futterkrippe.
28.06.2008 Samstag
Start, Limone Piemonte 8:30Uhr
Heute soll´s an Mittelmeer gehen. Unten rum um die Seealpen. Und mal nach den Schicki Mickis sehen. Vielleicht kriegt man ja Angelina Jolie oder Jonny Depp zu sehen. Oder in Monaco den Pinkelprinzen.
Strecke: Limone, Cole di Tenda (Tunnel 1279) Ventimiglia, Nizza, Monaco, Antibes, Cannes, Mougins, Grasse, Cole de Pilon (780) St. Vallier de Thiey (Route Napoleon)

Das war heute der heißeste Tag mit 41 Grad. Mann, haben wir geölt.
Ventimiglia kenne von vor 30 Jahren. ich hab nix mehr wieder erkannt, man ist das Scheiße geworden. In Monte Carlo haben sie im Yachthafen ein Reitturnier veranstaltet. Die ganze Küste runter ist einfach nur nervig. Alles ist zugebaut, laut, teuer, voll und dekadent. Ankunft in St. Vallier 14:30 Uhr.
Um 19 Uhr hatten wir auf 700 Meter Höhe immer noch 31 Grad. Heute Waschtag. Die Wäsche wird langsam knapp.
Der Wirt nimmt uns pro Nase 50 € ohne Frühstück ab. Wucherer. Frühstück kann er behalten.

29.06.2008 Sonntag
Start, St.Vallier 8:00 Uhr (ohne Frühstück)
Heute wird ein Tag der Pässe, und des Gorges du Verdon
Strecke : Cole Ferrier (1039), Cole Valferreire (1169), Cole de Clavel (1060), Pont de la Artuby, Rundtour Gorges du Verdon, inkl Cole de Illoire (1039), Cole de Olivier (1262), Cole de Ayen (1032), Castellane, St. Julien de Verdon, Cole de toutes Aures (1576), St. Bemoit, Guillaume, Valberg, Les Launes.
Heute 7 Pässe und den Gorges. Ganz schön anstrengend. Der Gorges sieht aus jeder Perspektive anders aus. Immer wieder faszinierend ist das giftgrüne Wasser des See´s. An der großen Bogenbrücke waren wieder Bungee Springer.
Für mich läuft Bungee springen unter „Fehler ohne Not“. .
Wenn ich da unten in dieser Gegend herumfahre, dann weiß ich wieder warum ich Motorrad fahren muß. Neulich habe ich irgendwo gelesen. Eine Tour mit einem Auto machen, ist wie einen Film sehen. Eine Motorradtour ist wie mitspielen. Das trifft es ganz gut finde ich. In Castellane auf dem Marktplatz ist mal wieder der Teufel los
Die Schwalbe springt sehr schlecht an. Hab heute die Hauptdüse von 80 auf 85 gewechselt. Die 9er Kerze war fast weiß.
Läuft besser, hat mehr Kraft. Ich glaube, das ist die längste Einstellungsfahrt die ich je gemacht habe.
Ankunft um 16:15 in Les Launes. Hier haben wir Halbpension für 35 €. Auch wieder über das Tourismus Büro. Das ist voll ok. Der Wirt besteht darauf, dass wir die Mopeds in die Garage stellen. Ich habe gleich eine Inspektion gemacht. Bremsen und Kupplung nachgestellt. Kette gespannt. Am nächsten Tag soll der Cole de la Bonette angegangen werden. An der Puch von Uwe hat sich die Halterung für das Top Case verabschiedet. Er muß umpacken.
Die Wirtin ist eine sehr lustige kleine Person die ein bisschen aussieht wie Mireille Darc. Sie ist eine in Frankreich verheiratete Italienerin aus Napoli. Das Essen war sehr gut.
An diesem Tag hat Deutschland gegen Spanien verloren.
30.06.2008 Montag
Start, Les Launes 8:45 Uhr
Der Start klappt nicht so gut. Nach wenigen hundert Metern verstopfen ca 1000 Schafe die Strasse. Nach einer halben Stunde hin und her sagen die Schäfer, wir sollen durch die Herde fahren. Einer geht mit einer Art Peitsche vorweg und schafft Platz. Das klappt gut. Die Schwalbe macht immer mehr ungute Geräusche bei bestimmten Drehzahlen.
Heute wieder viele Pässe. Inklusive dem König der Pässe. Dem Cole de la Bonette.
Strecke: Cole de Couillole (1678), Roubion, St sauvier sur Tinee, Isola, Auron, Cole de Anello (1739), Cole de Fourches (2341), Cole de Raspaillon (2513), Cole de la Bonette (2802), Cole de Restefond (2794), Jausiers, Barcelonette, Gap, Cole de Bayard (1248), St. Firmin, Cole de Festreaux (946), La Mure 12% Steigung, Vizille.
Na, das war ne Tour heute. Trotz der miesen Geräusche aus dem Motor den Bonette und die anderen im Weg rumstehenden Berge gemeistert. Ist schon ein tolles Gefühl, mit der Simson Schwalbe da oben vorzufahren. Meist reichte der zweite Gang. Ein Problem war der schlechte Strassenzustand der Südrampe. Das größte Problem aber war nach einer Spitzkehre in den zweiten Gang zu kommen. Das ging nur mit lange schleifender Kupplung. Für ein paar hundert Meter musste es dann aber doch der erste Gang sein.
Da haben sich einige GS Fahrer tüchtig die Augen gerieben, als die Schwalbe um die Ecke kam. Das hat natürlich am Ego gekratzt. Aber, das müssen sie zu Hause ja nicht erzählen.

Am Bonette habe ich diesmal sehr viele Murmeltiere gesehen. Oben auf dem Paß war T Shirt Wetter und traumhafte Fernsicht. Einfach ein tolles Gefühl!!!!!!
Um 17:0 Uhr sind wir in Vizille gelandet. Inzwischen hat Uwe mir gesagt, dass er am Donnerstag den 3.7.08 zu Hause sein muß. Eigentlich wollten wir ja durch´s Elsaß nach Hause fahren. Das ging nun natürlich nicht mehr. Ich war nicht sehr begeistert.
Jetzt mussten wir in 3 Tagen ca 1500 Km fahren mit den kleinen Dingern. Einen Ruhetag hatten wir auch nicht.
Hoffentlich halten die Mopeds durch. Die Geräusche werden keinesfalls besser.
Das freundliche junge Mädchen im Tourismus Büro beschafft Zimmer im Ortskern für 40 € pro Nase. Es ist immer noch heiß. Wie jeden Tag.

01.07.2008 Dienstag
Start, Vizille 8:30 Uhr
Das wird ein harter Ritt heute.
Strecke, Grenoble, Cole de ? (984), Bourg en Bresse, Lons de Saunier, Besancon, Montbeliard, Belfort.
Wir sind den ganzen Tag nur gefahren und haben getankt.
Ca.25 Km vor Belfort gibt es einen Riesenknall und eine Qualmwolke und die Schwalbe steht. S C H E I S S E !
Kompression ist da, Sprit ist da. Also Zündung ? Werkzeug raus. Messgerät eingeschaltet alle Werte der HKZ Zündung geprüft. Alles stimmt, alle Werte sind in Ordnung. Externe Zündspule gemessen. Werte nicht ganz toll, aber eigentlich ok. Also Zündspule gewechselt. Zündfunke ist da, aber nicht sehr kräftig. Springt auch nicht an. Rechten Motordeckel runter, Polrad abgezogen. Was ist denn das?? Die Grundplatte der Zündung ist glatt durchgebrochen an zwei Stellen, so dass das Polrad an den Spulen schleift. Das kann ja nicht mehr gehen. An den Bruchstellen erkennt man, dass das kein Gewaltbruch sondern ein Dauerbruch ist. Das ist also die Erklärung für die miesen Geräusche seit Tagen,und das schlechte Anspringen. Ich habe eine komplett bestückte Grundplatte mit Kabelbaum in meinem Top Case. Nach 2 Stunden Schrauberei kann es weiter gehen. Übrigens haben tatsächlich 3 Franzosen angehalten und Hilfe angeboten. Ich bin heilfroh, dass es die Grundplatte ist und nicht etwa ein Lager oder so etwas. In Belfort haben wir nur noch ein Hotel für 71,50 € gefunden. Es war mittlerweile 20:15 Uhr. Es war uns egal. Hauptsache eine Dusche und ein Bett. Ich bin morgens um 6 Uhr aufgewacht. Der Fernseher lief noch. Ich glaube, ich hab gar nicht geschlafen, sondern war stundenlang bewusstlos.
Wir waren begeistert, dass das Hotel eine Klimaanlage hat. Leider nur am Empfang. Mein Zimmer war im 3 Stock. Der Fahrstuhl war kaputt. Aber die Schwalbe ist das erste Mal dreistellig gefahren Vmax 101 kmh, einfach nur geil.
02.07.2008 Mittwoch
Start Belfort 9:00 Uhr
Mal sehen wie weit wir heute kommen. Es gilt große Städte zu umfahren und Strecke nach Norden gut zu machen.
Strecke, Belfort, Mulhouse (Grenze), Freiburg B3 nordwärts, Rastatt, Karlsruhe, Darmstadt, Neu Isenburg,
So ein Mist. Viel besser springt die Schwalbe nicht an. Weil ich zwischen Packtasche und Kickstarter so wenig Platz habe, sieht mein Schienbein schon aus, als ob ich in einen Steaker geraten bin. Wieder getankt und gefahren, getankt und gefahren. Ein Stück sind wir BAB gefahren. Das ist die Hölle, die Hitze ist furchtbar, die Laster stinken und sind laut und heiß wenn sie uns überholen.
Kurz vor Neu Isenburg spotzt die Schwalbe im unteren Teillastbereich. So schlimm, dass sie im Stadtverkehr fast unfahrbar ist. Hab nachgesehen, Kerzenstecker los. Festgerammt, weitergefahren. Geht nur 1 Km. Wieder dasselbe Spiel. War wohl doch nicht der Kerzenstecker. In Neu Isenburg auf einem Parkplatz wieder Zündung durchgemessen. Alles ok. Motortunnel abgenommen. Es riecht nach Benzin. Unter dem Vergaser eine Pfütze. Vergaser abbauen und zerlegen. Diagnose Schwimmerkammerdichtung hat sich zerlegt. Kann das so ein Fehlerbild hervorrufen? Der Sprit kommt doch von unten aus der Kammer und belüftet ist die Kammer doch sowieso.
Egal, ich hab keine Dichtung mit. Da sprintet ein Mann auf mich zu. He, ich hab gesehen das deine Schwalbe ein großes Kennzeichen hat, wie hast du das gemacht? Das will ich auch. Der Mann war der Fahrer des Busses, der da mit offener Tür und laufendem Motor sowie wartenden Fahrgästen mitten auf der Strasse stand.
Ich fragte ihn zuerst, ob er eine Dichtung habe. Ne, hat er nicht, könne er nächsten Tag besorgen. Wir haben die Handynummern getauscht und weg war er. Ich hab mir dann eine Dichtung gebastelt aus Dirko Silikondichtmasse. Ich hatte eine kleine Tube mit. Mit Uwes Messer habe ich ein kleines Loch in die Schutzabdeckung gemacht und dann auf den Rand der Schwimmerkammer eine schmale Wurst gelegt. Dasselbe noch mal beim Vergaser. Eine halbe Stunde ablüften lassen und den Vergaser zusammengesetzt und montiert. Benzinhahn auf. Ein Tritt und die treue Schwalbe läuft wieder wie neu und springt seitdem an wie verrückt. Lässt sich regeln wie ein Elektromotor.
Gegenüber dem Parkplatz ist ein Hotel, da hatte Uwe inzwischen Quartier gemacht Und das ist auch gut so. Die Uhrzeit weiß ich nicht mehr. War wohl so gegen 18 Uhr. Der Busfahrer hat sich per Handy noch erkundigt, ob ich die Schwalbe reparieren konnte.


03.07.2008 Donnerstag
Start Neu Isenburg 8:45 Uhr
Meine Dirko Dichtung hält. Wir beschliessen nicht zu rasen, sondern die Maschinen sinnig nach Hause zu fahren.
Reisegeschwindigkeit 70-75 kmh. Das ziehen wir auch durch so gut es geht. Einmal muß ich Gas geben, weil ich befürchtet den Anschluß an Uwe zu verlieren.
Strecke, Neu Isenburg, Frankfurt, Friedberg, Butzbach, Gießen, Cölbe, Bad Zwesten, Kassel, Northeim, Seesen, Braunschweig, Lüneburg, Hamburg.
Das war der längste Ritt heute mit 528 Km. 10:45 Std. unterwegs.
Ich habe höchste Bewunderung für die Mopeds. Was die geleistet haben, ist einfach unglaublich. Ob man es glaubt oder nicht, ich bin die Kasseler Berge (BAB) mit der Schwalbe mit dem ganzen Gepäck im 5 Gang hochgefahren und haben die Laster alle abgehängt. In Lüneburg haben wir dann doch noch Regen abbekommen.
Um 19:30 waren wir zu Hause. Es war anstrengend aber auch befriedigend und ein toller Ritt.

 

Text:HT
Fotos: HT
Design:HE